A k t
u e l
l
Aktuell

Das documenta archiv verwahrt tausende von Initiativbewerbungen. Während sich 1972 noch gut 250 Künstlerinnen und Künstler unaufgefordert und erfolglos um eine Teilnahme bei der documenta 5 bewarben, waren es zur documenta 7 schon rund 900, zur documenta 8 fast 1.500.

T e r
m i n
e

#7 Das Wirken der Archive – Arbeit am Archiv – Vortrag von Ursula Frohne und Marianne Wagner

4.12.2018

documenta Institut Diskurs #7

 

Dienstag, 4. Dezember 2018, 19 Uhr

 

Ort: Hörsaal der Kunsthochschule Kassel, Menzelstraße 13-15

 

Eintritt frei

 

Begrüßung: Dr. Birgit Jooss

 

Eine Zusammenarbeit mit der documenta Professur an der Kunsthochschule Kassel.

Die Verbindungen des Archivs zum künstlerischen und zum kuratorischen Arbeiten sind vielfältig und komplex. Ist die Vorstellung vom Archiv einerseits durch Institutionen des Bewahrens, Forschens und Ausstellens geprägt, so bezeichnet das Archiv andererseits einen Ort subjektgebundener Erfahrungen, den man mit labyrinthischer Fülle assoziiert. Im kulturtheoretischen Diskurs steht das Archiv nicht zuletzt für eine Form des politischen Aktivismus, während es unter dem Begriff der „Postproduktion“ zu einem integralen Teil der künstlerischen Arbeitsweisen des Sammelns und Dokumentierens geworden ist, was sich im Falle der Skulptur Projekte Münster unter anderem durch die Praxis des Reframing oder Re-Enactment etwa an der Arbeit von Dominique Gonzalez-Foerster (2007) nachvollziehen lässt. Seit den 1990er-Jahren setzt zudem parallel zur digitalen Datenproduktion eine intensive Auseinandersetzung mit der Materialität und Zeitlichkeit der Archive ein.

Vor dieser Bandbreite der Bedeutungen und Lektüren beziehen sich Praxen der Kunst auf das Archiv als ein heterogenes Reservoir, in dem sowohl Erinnern als auch das Vergessen, Verdrängen, Übersehen und Verwerfen sichtbar werden.

 

Bezüglich der Skulptur Projekte nimmt das Museum als Institution eine besondere Rolle ein: Es sichert die Kontinuitäten und Brüche und ermöglicht zugleich ein Neudenken der Positionierung und der Organisationsform jeder weiteren Ausgabe der Skulptur Projekte ebenso wie die Dauerhaftigkeit des „Skulptur Projekte Archivs“. Die spezifische Situation in Münster erlaubt nebst der Erschließung der Archivalien durch die Forschung auch das Ausstellen der Konvolute sowie ihre direkte Anbindung an die öffentliche Sammlung im Außenraum und die in die Museumssammlung übergegangenen Werke der Skulptur Projekte. Beide Zugänge, das Forschen und Ausstellen, garantieren unterschiedliche Formen von Öffentlichkeit, hinterfragen die Bedeutung des Archivs auf je unterschiedliche Weise und reflektieren die Erwartungen und Fragen, die an ein Archiv gerichtet werden. Der Vortrag erkundet die politische Herausforderung der „Arbeit am Archiv“ als Erkenntnisprozess angesichts populistischer Verzerrungen von Geschichte und kultureller Erinnerung.

 

 

Ursula Anna Frohne, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Münster, war von 2006 bis 2015 Professorin für Kunstgeschichte der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts an der Universität zu Köln. Sie lehrte als Gastprofessorin am Department of Modern Culture and Media der Brown University und war Professorin für Kunstgeschichte an der International University Bremen. Vor Eintritt in ihre Universitätslaufbahn war sie Hauptkuratorin am Museum für neue Kunst des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. 1987 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Katalogredakteurin für die documenta 8 in Kassel tätig. Ihre Publikationen fokussieren die Soziologie von Künstler/innen, zeitgenössische künstlerische Praktiken und technologische Medien (Fotografie, Film, Video, Installation), politische Dimensionen und sozioökonomische Bedingungen von Kunst und visueller Kultur.

 

Marianne Wagner ist seit Juni 2015 Kuratorin für zeitgenössische Kunst am LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster/Westfälisches Landesmuseum. 2017 kuratierte sie zusammen mit Kasper König und Britta Peters die Skulptur Projekte Münster. Als Leiterin des Archivs der Skulptur Projekte startete sie in Kooperation mit der Universität Münster im Frühjahr 2017 ein Forschungsprojekt zur Bearbeitung des Archivs, das von der VolkswagenStiftung drei Jahre lang gefördert wird. Neben der Konzeption und Realisation von Ausstellungsprojekten publiziert Marianne Wagner zu Kunstentwicklungen seit den 1960er Jahren und der zeitgenössischen Kunst, vor allem zu Themenbereichen wie Performancekunst, Sprechakte und Wissensvermittlung, Kunstsoziologie und institutionskritischen Kunstproduktionen. Für ihre Dissertation zum Thema «Lecture Performance. Sprechakte als Aufführungskunst seit 1950» wurde sie 2014 mit dem „Joseph Beuys Preis für Forschung“ ausgezeichnet.