"All I want anyone to get out of my paintings is the fact that you can see the whole idea without any conclusion . . . What you see is what you see."  (Frank Stella, Interview mit Bruce Glaser, 1966)

 

Der US-amerikanische Künstler Frank Stella ist am 4. Mai im Alter von 87 Jahren gestorben. Ende der 1950er Jahre betrat er die Bühne der New Yorker Kunstwelt und eroberte sie im Flug. Nach seinem Studium der Malerei, Geschichte und Kunstgeschichte an der Princeton University (1954–1958) arbeitete er zunächst als Anstreicher, doch schon seine erste Serie minimalistisch geometrisierter Bilder – seine in Emaille-Farbe ausgeführten "Black Paintings" (1958–1960) – machte ihn schlagartig berühmt: Schon 1959 wurde Stella mit 23 Jahren neben Künstlern wie Jasper Johns und Ellsworth Kelly in die Ausstellung "Sixteen Americans" im Museum of Modern Art in New York aufgenommen. 1970 war er mit 33 Jahren der jüngste Künstler, dem das MoMA jemals eine Retrospektive widmete.

 

In seiner langen Karriere vollzog er zahlreiche Stilwechsel und erfand sich immer wieder neu. An die bahnbrechende Entwicklung des "Shaped Canvas" – ein Bildträger, dessen äußere Form sich aus der Binnenstruktur des Bildes ableitet – schloss sich folgerichtig der Vorstoß in die Dimension des Raumes an: “Sculptures are paintings that stand on their own.” (Frank Stella)

Ab den 1970er Jahren treten opulente Reliefs, Skulpturen und architektonische Entwürfe an die Stelle der charakteristischen Flachheit seiner Kunst der 1950er und 60er Jahre (Clement Greenbergs vielgepriesene "flatness"); die strikte Monochromie seines Frühwerks wird durch ausladende Bildobjekte und Materialassemblagen in Leuchtfarben abgelöst.

 

Als Senkrechtstarter, Vorreiter und prägende Figur seiner Generation war Frank Stella zweimal bei der documenta in Kassel vertreten: 1968 im Rahmen der documenta 4 und 1977 im Rahmen der documenta 6.


Sein 1968 in Kassel gezeigtes Shaped Canvas-Bild "Quathlamba" (1964, Metallpuder und Polymer-Emulsion auf Leinwand, 195 x 414 cm, in Privatbesitz) kursierte anlässlich der documenta 10 (1997) als 100-Pfennig-Sonderbriefmarke der Deutschen Post (siehe Abbildung unten). Auf brieflichem Weg und maßstäblich verkleinert fand das Werk in der Folge vorübergend weite postalische Verbreitung und wird in eben diesem Format in gleich mehrfacher Ausführung im documenta archiv verwahrt (docA AA d10, 84a).