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Aktuell

Malerei und Graphik des documenta-Gründers
Ausstellung in der Neuen Galerie vom 03. Juni 2022 bis 09. Oktober 2022
Vernissage am 02. Juni 2022 um 19:00 Uhr

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Museumslandschaft Hessen Kassel, des documenta archivs, der Kunsthochschule Kassel und der Galerie Rasch.

N e u i
g k e i
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nolde / kritik / documenta - Ein Projekt des documenta archivs, der Draiflessen Collection, der Nolde Stiftung Seebüll und Mischa Kuball

6.1.2022

Emil Nolde (1867–1956) zählt zu den bekanntesten Künstlern der klassischen Moderne. Seine aktuelle Wahrnehmung ist durch historische Mythenbildung und deren Dekonstruktion geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieben er selbst und Akteure der Kulturpolitik das Bild des verfemten Künstlers voran. Die Forschungen der letzten Jahre rückten Nolde als Nationalsozialist und Antisemit wieder ins öffentliche Bewusstsein.

 

 

Der Düsseldorfer Konzeptkünstler Mischa Kuball (* 1959) hat sich, unterstützt von der Nolde Stiftung Seebüll, auf die Spuren dieser ambivalenten Figur begeben. Erste Ergebnisse waren im Winter 2020/2021 in der Ausstellung „Emil Nolde – a critical approach by Mischa Kuball“ in der Draiflessen Collection in Mettingen zu sehen.

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Mischa Kuball: ct_scan_video_ethnographica_Nolde/Kritik/Kuball, 2020

Video auf Monitor (30 min.), s/w, 55 Zoll

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Mischa Kuball: scan_room_Nolde/Kritik/Kuball, 2020

Video auf Monitor (28 min.), 4c, 55 Zoll

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Henning Rogge, Hamburg

Mischa Kuball: ethnographica_Nolde/Kritik/Kuball

Ausstellungsansicht Draiflessen Collection, Mettingen, 2020

Doppel-Videoinstallation (18 min.), s/w, Maße variabel

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Henning Rogge, Hamburg

Mischa Kuball: ct_scan_ethnographica_Nolde/Kritik/Kuball

Ausstellungsansicht Draiflessen Collection, Mettingen, 2020

42 Fine Art Prints s/w, je 30 x 40 cm

In Kassel soll Ende 2022 die Spurensuche weitergeführt werden, focussiert auf Emil Nolde als documenta Künstler. Die Ausstellung vermittelt einen Blick auf die historische und hochgradig widersprüchliche Persönlichkeit Noldes aus der Perspektive eines zeitgenössischen Künstlers. Kuballs Arbeit eröffnet über das individuelle Beispiel hinausgehende Diskursräume und lädt zu einer spannungsvollen Auseinandersetzung – nicht nur mit der Person Noldes, sondern auch mit Mechanismen künstlerischer Selbstinszenierung und dem Verhältnis von Kunst und Politik – ein.

Im Fokus des Ausstellungsparcours stehen vor allem zwei Aspekte. Der erste ist die Sichtbarkeit und Abwesenheit der Bilder Emil Noldes, die heute als Postkartenmotiv beinahe omnipräsent erscheinen, aber einst bis auf die Wanderausstellung Entartete Kunst aus den Museen und der Öffentlichkeit verschwanden, um erst nach 1945 wieder aufzutauchen. In diesem Kontext sind auch die ersten drei documenta Ausstellungen von zentraler Bedeutung. Kuball zeigt unter anderem 18 von 30 "ungemalte Bilder", die der Künstler während seines angeblichen Malverbots schuf, und die bei der documenta 1964 einen ganzen Raum füllten.  Die documenta trug somit zur Mythenbildung von Nolde als verfemten Künstlers bei. Mischa Kuball wählte für sein Projekt ausschließlich Arbeiten aus, die 1955, 1959 und 1964 in Kassel zu sehen waren.

Der zweite wichtige Aspekt für das Ausstellungskonzept ist der Archivgedanke. In filmischen Schwarzweißaufnahmen spürt Kuball dem Maler in Seebüll, seinem einstigen Arbeits- und Lebensraum und dem heutigen Sitz der Stiftung nach.

 

Die Nolde-Werke werden ergänzt durch Arbeiten von Mischa Kuball, Bildtafeln aus dem Bildatlas "Mnemosyne" von Aby Warburg wirken in die kunstkritische Methodik der Ausstellung hinein.

Das Projekt realisiert eine vielschichtige kritische Auseinandersetzung, die über das konkrete Beispiel Noldes hinausweist und zum Diskurs anregt. Begleitend zur Ausstellung in Kassel wird es zwei Podiumsdiskussionen geben, die diesen Diskurs weiter auffächern.

Vorbereitend zur Ausstellung in Kassel erscheint bereits im Sommer 2022 ein reich bebilderter, dreisprachiger Katalog (deutsch, englisch und niederländisch). Die Publikation versammelt kultur- und kunstwissenschaftlich sowie philosophisch ausgerichtete Beiträge, die den Bogen von der künstlerischen Selbstinszenierung zur Entstehung eines (kritischen) Urteils spannen.

 

 

 

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Marek Kruszewski

Mischa Kuball, making of Mnemosyne (after Aby Warburg), 2021, 2‑Kanal Videoinstallation, Projektion, 16:9, Farbe, Ed. 1/3

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Mischa Kuball, Herstellung von making of Mnemosyne (after Aby Warburg), 2021, 2‑Kanal Videoinstallation, Projektion, 16:9, Farbe, Ed. 1/3.

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Mischa Kuball, Herstellung von making of Mnemosyne (after Aby Warburg), 2021, 2‑Kanal Videoinstallation, Projektion, 16:9, Farbe, Ed. 1/3.