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documenta 12

16. Juni bis 23. September 2007
Museum Fridericianum, Aue-Pavillon, documenta-Halle, Neue Galerie, Schloss Wilhelmshöhe, Kulturzentrum Schlachthof, Restaurant elBulli, Roses

© documenta archiv

Ausstellungsplakat documenta 12

Träger 
documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH

Geschäftsführer 
Bernd Leifeld, Frank Petri (Prokurist)

Künstlerischer Leiter
Roger M. Buergel

Kuratorin
Ruth Noack

Findungskommission
René Block, Artistic Director Kunsthalle Fridericianum Kassel, Deutschland
Dr. Ulrike Groos, Artistic Director Kunsthalle Düsseldorf, Deutschland
Susanne Ghez, Director The Renaissance Society, The University Chicago, USA
Dr. Manuel J. Borja-Villel, Director Museum of Contemporary Art MACBA Barcelona, Spanien
Anda Rottenberg, Curator, Art Critic and Historian Warsaw, Polen
Gavin Jantjes, Director Henie-Onstad Kunstsenter Oslo, Norwegen/Süd Afrika
Shinji Kohmoto, Artistic Director of Yokohama Triennal 200, Japan


Koordination/Assistenz künstlerische Leitung
Susanne Jäger, Wanda Wieczorek u. a. 

Austellungsbüro/ Projektleitung
Rike Frank

Grafisches Erscheinungsbild
Martha Stutteregger

Ausstellungsarchitektur
Gesamtleitung Architektur

Tim Hupe Architekten, Heidi Blais, Anja Frenkel, Jan Haase, Adina Hempel, Tim Hupe, Kai Merkert, Christoph Schuchardt, Mirco Urban


Entwurf Aue-Pavillon
Lacaton et Vassal, Paris


Kommunikation
Catrin Seefranz


Technische Leitung 
Martin Müller


Leitsystem
VIER5, Paris, Marco Fiedler, Achim Reichert


Vermittlung
Ulrich Schötker


documenta 12 magazines
Georg Schöllhammer
Liste der Magazines


documenta 12 Beirat
Sprecherin, Entwicklung
Ayse Gülec


Exponate 
516


Künstler
119


Besucher 
750.584


Budget
26.054.100 €


Eintrittspreise
1 Tag: 18 Euro, ermäßigt 12 Euro
2 Tage: 27 Euro, ermäßigt 18 Euro
Gruppenkarte: 14 Euro, ermäßigt 9 Euro
Abend: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro
Dauerkarte: 90 Euro, ermäßigt 60 Euro
Schulklassen: 6 Euro


Publikationen 
Documenta 12 Katalog
Documenta 12 Bilderbuch
Documenta 12 Magazine No. 1-3 Reader
Documenta Magazine N°1, 2007 Modernity?
Documenta Magazine N°2, 2007 Life!
Documenta Magazine N°3, 2007 Education:
Documenta 12 Filmkatalog
Documenta 12 Edition


Katalogredaktion
Isabella Marte 

© documenta archiv / Ryszard Kasiewicz

Ryszard Kasiewicz: Roger M. Buergel, künstlerischer Leiter der documenta 12, Inv.Nr.: docA_MS_d12-10033365

Das globale Netz ist geknüpft - Ein Text von Dirk Schwarze über die documenta 12

Roger M. Buergel ging bei der documenta 12 ungewohnte Wege. 

Es war geradezu unheimlich, wie erwartungs- und hoffnungsvoll die Kunstkritik in den großen deutschen Zeitungen gestimmt war. Von einer bevorstehenden Revolution war die Rede und von einem Versuch, mit der Rückbesinnung auf Arnold Bode einen Neuanfang zu wagen. Ausführliche und dazu positive Vorausberichte ließen die Erwartungen wachsen. Dergleichen hatte es in der documenta-Geschichte noch nicht gegeben, zumal der in Wien lebende deutsche Kritiker und Kurator Roger M. Buergel bei seiner Berufung den meisten unbekannt war und er noch keine große Ausstellung vorzuweisen hatte.

Fast zwangsläufig kam es mit der Eröffnung zum Stimmungsumschwung. Die einen wollten es den euphorischen Vordenkern heimzahlen, die anderen bekamen offenbar Angst vor der eigenen Courage. Also rechneten viele Kritiker mit der documenta 12 so scharf ab, dass einige von ihnen die Zukunft der documenta überhaupt in Frage stellten.

Zum beliebtesten Ansatzpunkt für die heftige Kritik wurde der Aue-Pavillon auf der Karlswiese, den Roger Buergel als Kristallpalast angekündigt hatte und der nun durch Abdeckungen und Klimaanlagen zu einem normalen Gewächshaus geworden war. Aber auch die Tatsache, dass das Mohnfeld zur Eröffnung nicht blühte und die Reisterrassen unterhalb von Schloss Wilhelmshöhe ein Torso blieben,   war ein willkommener Anlass für eine Generalschelte.

Die meisten Kritiker bekamen denn auch nicht mit, dass vier Wochen später dank des blühenden Mohnfeldes der Friedrichsplatz erstmals in ein geschlossenes Bild verwandelt worden war. Und auch die wenigsten registrierten, wie gut die Ausstellung im viel gescholtenen Aue-Pavillon funktionierte und wie dankbar die Besuchergruppen für die großzügig geschnittenen Räume und die Ruhezonen waren, in denen historische chinesische Stühle, die der Künstler Ai Weiwei nach Kassel gebracht hatte, zum Sitzen einluden. Überhaupt stand das Publikumsecho im Gegensatz zu der zeitweise harschen professionellen Kritik.

Roger Buergel, der zusammen mit seiner Frau Ruth Noack als Kuratorin die Ausstellung organisierte, setzte konsequent den Weg fort, den Catherine David und Okwui Enwezor eingeschlagen hatten. Aber noch mehr als zehn Jahre zuvor Catherine David blickten Buergel und Noack zurück. Zum einen wollten sie zeigen, wie stark sich manche Formprinzipien durch Jahrhunderte erhielten (Migration der Formen), und zum anderen führten sie vor, dass die Avantgarde der 60er-Jahre viel breiter und viel weiblicher gewesen war, als wir bisher glaubten. Einige der Arbeiten aus der Zeit vor mehr als 40 Jahren waren aufregender als manches aktuelle Werk.

Buergel hatte drei Leitfragen formuliert: Ist die Moderne unsere Antike? Was ist das bloße Leben? Was tun? Diese Leitmotive bestimmten nicht nur das Denken der Organisatoren. Vielmehr ließ das documenta-Team diese Fragen weltweit diskutieren. Dieses Ziel erreichte Buergel in Kooperation mit seinem Freund und Kollegen Georg Schöllhammer (von der Zeitschrift "Springerin") durch ein internationales Zeitschriftenprojekt, an dem rund 90 Magazine beteiligt waren. Durch dieses Projekt wurde für die documenta erstmals das globale Netz umfassend geknüpft. Und dank dieser Vernetzung konnte das Team auch in unbekanntere Kunstregionen vorstoßen.

 

Der Journalist, Kunstkritiker und renommierte documenta-Kenner Dirk Schwarze hat diesen Text 2014 dem documenta Archiv zur Verfügung gestellt. Vervielfältigungen und kommerzieller Gebrauch sind, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors erlaubt.