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Die erste Virtuelle Ausstellung des documenta archivs geht der Frage nach, auf welche Weise sich Bauhaus-Konzepte in die documenta Idee eingeschrieben haben.

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#8 Arnold Bode: »Die Geschichte von etwas was werden soll«

März 2017
© documenta archiv / Anita Back

Arnold Bode: Geschenk A.B. an M.B., 1960, Kassette mit Skizzen und Schriftstücken, 29 x 42 cm, Signatur: documenta archiv, AA, NL Bode, Arnold, dA-III D 130

Geburtstagsgeschenke für die Liebsten zu finden erweist sich alle Jahre wieder als durchaus schwierig. Viele Dinge haben die Beschenkten oftmals schon, Gutscheine sind zu unpersönlich, die obligatorischen Blumen und ein Buch gab es schon letztes Jahr. Meist versucht man daraufhin ein Geschenk zu finden, was »persönlich« ist. So ein »persönliches« Geschenk gab es 1960 für Marie-Louise (»Marlou/Marlu«) Bode (1908–1993) von ihrem Mann Arnold Bode (1900–1977).

In einem beige-braunen Leinenkarton, der mit grünen und roten Lettern und Zahlen verziert ist, befinden sich über vierzig Blätter in DIN A3 Größe. Der Großteil der Blätter zeigt farbig gestaltete Entwürfe eines Wohnhauses, die Restlichen sind in Briefform mit Tinte beschrieben.

Bei diesem Blätterkonvolut handelt es sich bei den gesamten Entwürfen um ein Wohnhaus, welches im Wohnviertel Mulang im Stadtteil Wilhelmshöhe in Kassel gebaut werden sollte. Mehrere der Skizzen weisen darauf hin, indem sie Titel wie »Das Haus Mulang« oder »Die Mulangstrasse« tragen. Ab 1925 entstanden in diesem Viertel nämlich mehrere Villen, die stark von Werkbund- und Bauhaus-Ideen beeinflusst waren. Auch der Entwurf Bodes aus dem Jahre 1960 weist diese Züge auf, wie man der kubischen, horizontal angelegten Form und den größer angelegten Fensterfronten entnehmen kann. Es war der lebenslange Wunsch des Ehepaars ein eigenes Haus zu besitzen und die Entwürfe dafür sind in dem Geschenk, aber auch in späteren Skizzen Bodes dokumentiert. Bode wurde immer wieder bei der Stadt und beim Land vorstellig, um Grundstücke für den Bau eines Hauses zu pachten, vor allem im besagten Mulang Viertel. Leider blieben seine Bemühungen ohne Erfolg. So sind einzig allein die Skizzen und Entwürfe Bodes Zeugen von der Idee eines gemeinsamen Hauses des Ehepaars. 

Mit salbungsvollen Worten widmete Bode die Pläne seiner Frau: »Und nun zum Schluss, liebe Marlu, das alles zeigt dir, dass du immer der andere Teil von mir bist. Meine Pläne, meine Hoffnungen, alles sei auch das ›Deine‹. Von ganzem Herzen, immer in Liebe, dein Arnold. 15.8.60« (sic!)

Und auch die roten Lettern »M L« auf dem Einband deuten wohl auf Marie-Louise als Empfängerin des Geschenkes hin. Gleichzeitig geben diese Buchstaben zusammen mit dem weiteren grünen Buchstaben einen Hinweis auf den möglichen Entstehungsort des Hauses.

Das Geschenk Arnold Bodes ist in seinem Nachlass im documenta Archiv unter Private Korrespondenz/Autographen einzusehen und seit 1978 im Archiv. Zudem werden derzeit einige Blätter aus dieser Entwurf-Sammlung in der Ausstellung »Mythos documenta – Arnold Bode und seine Erben« in Peking gezeigt.

 

Alexandra Winterhoff