Arnold Bode (1900-1977) gilt weithin als Pionier der Ausstellungsgestaltung und Mitwirkender neuer musealer Institutionen, so auch einer privaten Galerie, welche 1956 in Frankfurt gegründet wurde: Die sogenannte „göppinger galerie“ der Göppinger Kaliko- und Kunstleder-Werke. Bode arbeitete zur Zeit der ersten documenta mit dem Unternehmen zusammen. Die Göppinger Kaliko- und Kunstleder-Werke waren es auch, welche die weiß, grau und schwarzen Plastikvorhänge zur Gestaltung des ruinösen Fridericianums stellten und so essentiell an der Ausstellungsgestaltung 1955 beteiligt waren.

Als museal gestalteter Ausstellungsraum eröffnete die „göppinger galerie“, kurz „gg“ genannt, 1956 im neu erbauten Bürogebäude des Architekten Otto Apel (1906-1966) in der Berliner Straße 27 in Frankfurt, ihre Pforten. Ursprünglich als Showroom für die Präsentation der Produktpalette der Göppinger Kaliko- und Kunstleder-Werke, als auch zur Präsentation von Produkten anderer Unternehmen, gedacht, stellte die Galerie Möbeldesign und Architekturentwürfe aus. Damit verfolgte sie das Ziel, neue Formen des Wohnstils zu repräsentieren. Die thematische Spanne der Ausstellungen erstreckte sich dabei über die gesamte Breite der Formsprache und -gestaltung, wurde das Ausstellungs-Repertoire der „gg“ um die Facetten der Kunst und Kultur erweitert.         

Folgend zählte die von Arnold Bode kuratierte Einzelausstellung „Fritz Winter: Göppinger Galerie vom 17. Juli bis 8. August 1959“, dessen 15-seitiger Katalog sich im Bode-Nachlass des documenta archivs befindet, zum Beispiel einer Kunstausstellung der „göppinger galerie“. Doch wie ist das Werk des bildenden Künstlers mit der Formsprache des Möbeldesigns, oder gar der Form des neuen Wohnens verbunden? Im Vorwort des Kataloges erläutert Dr. Herbert Müller, dass die Entwicklung der verschiedenen Produkte der Kalikowerke eine enge Auseinandersetzung mit der Formgestaltung nach sich ziehen würden. So sei Fritz Winters (1905-1976) künstlerische Position, welche sich auf besondere Weise mit der Formsprache auseinandersetze, von großer Bedeutung, nicht zuletzt für die Gestaltung des Designs. Will Grohmann (1887-1968), dessen Kommentar zur Ausstellung im Katalog zu finden ist, gibt zudem an, dass es sich um eine Notwenigkeit handele, die Formsprache Winters anhand einer Ausstellung zu reflektieren. Ein Ausschnitt aus den Kriegsbriefen Fritz Winters unterstreicht die Aussagen Müllers und Grohmanns.

Alle sich im Bode Nachlass befindlichen Ausstellungskataloge der „göppinger galerie“ können nach vorheriger Bestellung im Lesesaal eingesehen werden.

 

Laura Diermann