“Come hear Uncle John's band by the riverside. Got some things to talk about, here beside the rising tide…” Mehrmals täglich erklang der mehrstimmige Country-Song der Grateful Dead im 1. Stock des Fridericianums. „Uncle John’s Band“ begleitete die Tanzperformance „Accumulation“ von Trisha Brown (1936-2017) während der hundert Tage der documenta 12 akustisch. 12 Tänzer/innen verteilten sich in den drei Eingängen des Raumes und bewegten sich in immer wiederholenden Gesten. Trisha Brown über „Accumulation“:

 

 „Eine einfache Geste wird gezeigt. Diese Geste wird wiederholt, bis sie vollständig in mein kinästhetisches System integriert ist. Dann wird Geste Nr. 2 hinzugefügt. Geste Nr. 1 und Nr. 2 werden wiederholt, bis sie assimiliert sind, dann wird Geste Nr. 3 hinzugefügt. Ich füge weiterhin Gesten hinzu, bis mein System keine weiteren Ergänzungen mehr unterstützen kann.“ (Trisha Brown: Dance and Art in Dialogue, 1961-2001, Teicher, Hendel)

 

Bei der nächsten Tanzperformance „Floor of  the Forest“ erklommen 3 bis 4 Tänzer/innen einen in der Mitte des Raumes auf Stelzen stehenden quadratischen Metallrahmen, in dem ein Netz aus Seilen gespannt war, behängt mit Kleidungsstücken. Die Tänzer/innen hangelten sich zwischen den Seilen hindurch und schlüpften in die dort hängenden Kleidungsstücke. Körper, die diese Tätigkeit normalerweise vertikal ausführen, formten ein abstraktes Bewegungsmuster zwischen horizontaler Dynamik und vertikaler Schwerkraft.

 

32 Tänzer/innen waren für die Dauer der documenta 12 engagiert, um diese Performances mehrfach an jedem der 100 Tage zu zeigen. Trisha Brown wählte die Tänzer/innen im Frühjahr 2007 in Kassel aus. Um sie zu organisieren gab es ein 158 Seiten umfassendes Buch, dass unter dem Namen „Tänzerbuch“ in den Akten des documenta archivs erhalten ist. Das Buch diente der Kommunikation zwischen den Tänzer/innen und zur Veröffentlichung des jeweiligen „Dienstplanes“. Spannend dabei sind die unterschiedlichen Stile, die genutzt wurden, um den Dienstplan mitzuteilen. Sie reichen von einfacher tabellarischer Form bis hin zu Zeichnungen, die aber doch die Aufstellung der einzelnen Akteur/innen vermitteln. Das Buch kann im Aktenarchiv in der Mappe 442 der documenta 12 eingesehen werden.

 

Die US- Amerikanerin Trisha Brown war eine der einflussreichsten Choreografinnen der postmodernen Ära. 1970 gründete sie die „Trisha Brown Dance Company“ und arbeitete u. a. mit Künstlern wie Robert Rauschenberg (1925 – 2008), Donald Judd (1928 – 1994), Laurie Anderson (*1947) und John Cage (1912 – 1992).

Berlind Schneider