Die Bildjournalistin Brigitte Hellgoth (geb. 1932) fotografierte 1972 auf der documenta 5 die Installation „Five Car Stud“ von Edward Kienholz (1927-1994). Die Installation befand sich in einer Traglufthalle hinter der Neuen Galerie (zur Schönen Aussicht). Kienholz schuf so einen abgeschlossenen Raum, der sich beim Betreten als klaustrophobische Timecapsule entpuppte und die Kunstbetrachter/innen in eine alptraumhafte Situation extremer Gewalt stürzte.

 

Die Besucher/innen betraten einen dunklen Raum, in dem ihre Füße in lehmigem Boden versanken, um ein paar Schritte weiter kurzerhand zur/zum Mittäter/in oder zumindest beistehenden Kompars/in bei der Inszenierung einer Gewalttat zu werden. Die Scheinwerfer von fünf Fahrzeugen beleuchteten die Kulisse. Eine Gruppe weißer Männer mit furchteinflößenden Masken misshandelten einen auf dem Boden liegenden Afroamerikaner.

 

„Five Car Stud“ gilt als eines der bedeutendsten Werke des amerikanischen Künstlers. Die Grausamkeiten und Tragödie des Lebens, Bedingungen der Einsamkeit und Trivialität sind Themen, die Kienholz in vielen Werken verarbeitete. Die Relevanz des Werkes verweist auf die historischen Wurzeln Amerikas und spiegelt die aktuelle Gewalt wider, die ein Mob immer gegen einzelne Individuen verübt, sei es aus politischen, ethnischen, religiösen oder sexuellen Gründen.

 

Hellgoth schaffte es in ihrer Fotoserie zu „Five Car Stud“ die statische beklemmende Szenerie der Installation von Kienholz mit der Dynamik der sich darin befindenden Kunstbetrachter/innen zu einer fast unerträglichen Erfahrung zu steigern. Unbestreitbar vehement vollzieht das Tableau seine Entwicklung der harschen Momentaufnahme innerhalb einer Gesellschaft, die Kienholz als Basis legt und Hellgoth meisterhaft komplettiert.

 

Die fotografische Sammlung von Brigitte Hellgoth zählt innerhalb der Mediensammlungen zur Gruppe der Fotograf/innen-Sammlungen. Die Fotos können vor Ort eingesehen beziehungsweise Digitalisate können bestellt werden.

 

Michael Gärtner und Alexander Zeisberg