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documenta 11

8. Juni bis 15. September 2002
Museum Fridericianum, documenta-Halle, Kulturbahnhof / Balikino, Binding-Brauerei, Orangerie, Karlsaue, Kasseler Innenstadt / Nordstadt

© documenta archiv / Ryszard Kasiewicz

Ryszard Kasiewicz: Okwui Enwezor, künstlerischer Leiter der documenta 11, Inv.Nr.: docA_MS_d11-10053747

© documenta archiv

Ausstellungsplakat documenta 11

Träger 
documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH

Geschäftsführer 
Bernd Leifeld, Frank Petri (Prokurist)

Künstlerischer Leiter 
Okwui Enwezor

Findungskommission
René Block, Artistic Director Kunsthalle Fridericianum Kassel, Deutschland
Prof. Dr. Klaus Werner, Director Academy of Fine Arts and Graphics Leipzig, before Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig, Deutschland
Gary Garrels, Head Curator San Francisco Museum of Modern Art, before MOMA New York, USA
Lynne Cooke, Curator Dia Center for the Arts, New York, USA
Bartomeu Mari, Director Witte de With Center for Contempoary Art, Rotterdam, Spanien/Niederlande
Saskia Bos, Director de Appel Foundation and Center for Contemporary Art, Amsterdam, Niederlande
Suzanne Pagé, Director Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Frankreich
Tuula Arkio, Director Finnish National Art Museums Helsinki, Finland

Co-KuratorInnen 
Carlos Basualdo, Ute Meta Bauer, Susanne Ghez, Sarat Maharaj, Mark Nash, Octavio Zaya

Assistentin der Künstlerischen Leitung 
Christina Werner

Assistentin des Künstlerischen Leiters, Büro New York
Mavette Maton

Grafisches Erscheinungsbild
Bernhard Wollborn, atelier grotesk, Kassel

Non-Logo 
Ecke Bonk

Ausstellungsarchitektur
Kühn Malvezzi Architekten: Johannes Kühn, Wilfried Kühn, Simona Malvezzi, Alexander Opper, Jan Ulmer

Pressesprecher 
Markus Müller

Technische Leitung 
Winfried Maldeyer

Exponate 
450

Künstler
117

Besucher 
650.924

Eintrittspreise
1 Tag: 16 Euro, ermäßigt 10 Euro
2 Tage: 24 Euro, ermäßigt 15 Euro
Abend: 7 Euro, ermäßigt 4 Euro
Dauerkarte: 80 Euro, ermäßigt 50 Euro
Gruppe: 12 Euro/Person, ermäßigt 5 Euro/Person

Budget
18.075.420 €

Publikationen 
Documenta11_Plattform 5: Ausstellung
Bd. 1: Katalog
Bd. 2: Appendix 
Kurzführer Documenta11_Plattform 5: Ausstellung
Ausstellungsorte (Bildband) Documenta11_Plattform 5: Ausstellung
Documenta11_Plattform1 Demokratie als unvollendeter Prozess
Documenta11_Plattform2 Experimente mit der Wahrheit:
Rechtssysteme im Wandel und die Prozesse der
Wahrheitsfindung und Versöhnung
Documenta11_Plattform3 Creolité and Creolization
Documenta11_Plattform4 Under Siege: Four African Cities
Freetown, Johannesburg, Kinshasa, Lagos 
Urban Imaginaries from Latin America
Hatje Cantz Verlag, Stuttgart
deutsche und englische Katalog-Ausgabe: 55, - €

Katalogredaktion
Gerti Fietzek

Die Ausstellung als fünfte Plattform - Ein Text von Dirk Schwarze über die documenta 11

Die documenta 11 zog einen Schlussstrich unter die Kunstbetrachtung aus europäisch-atlantischer Sicht.

Die documenta war als eine deutsche Ausstellung aus zuerst europäischer und dann nordatlantischer Perspektive begründet worden. Daran änderte sich grundsätzlich nichts, als 1972 der Schweizer Harald Szeemann und 1982 der Niederländer Rudi Fuchs mit der Ausstellungsleitung beauftragt worden waren. Selbst 1992, als der Belgier Jan Hoet documenta-Leiter war, erfolgte zwar eine gewisse Öffnung zu den anderen Kontinenten, doch gab es keinen Perspektivwechsel. Erst Catherine David bereitete 1997 eine Blickänderung vor, die dann 2002 gefestigt wurde.

Die Berufung des Afroamerikaners Okwui Enwezor zum documenta-Leiter hatte den erklärten Willen, die Kunst der Welt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, zum Ausdruck gebracht. Schließlich hatte Enwezor 1997 die Johannesburg-Biennale geleitet. Außerdem sammelte er ein Kuratorenteam um sich, das für eine globale Betrachtungsweise stand.

Wie sehr Enwezor und sein Team global dachten, machten sie in der Verlaufphase der documenta deutlich: Ab 15. März 2001 veranstalteten sie in Wien und Berlin, Neu Delhi, St. Lucia und Lagos Diskussionsforen zu politischen, gesellschaftlichen und ästhetischen Fragen. Okwui Enwezor begriff diese vier Foren, die er Plattformen nannte, als Teil der Ausstellung. Dementsprechend galt die eigentliche Ausstellung in Kassel als Plattform 5.

Nachdem viele Besucher die documenta X als kopf- und theorielastig eingestuft hatten, fürchteten sie mit Blick auf die Diskussions-Plattformen eine weitere theoretisch angelegte Schau. Aber so wenig die Einschätzung der documenta X richtig war, genau so wenig trafen die Befürchtungen für die documenta 11 zu. Weit stärker als Catherine David legte Enwezor die Ausstellung global an.

Von nur wenigen Künstlern abgesehen hatte jeder documenta-Teilnehmer   seinen eigenen, großzügig bemessenen Raum, so dass man den Eindruck hatte, durch eine Abfolge von Einzelausstellungen zu gehen. So prägten sich die Räume mit den Installationen von Louise Bourgeois, Georges Adeagbo, Mark Manders, Annette Messanger und Allan Sekula nachhaltig ein. Die üppigen Platzverhältnisse hatte man der Einbeziehung der ehemaligen Binding-Brauerei zu danken.

Die documenta 11 hat zur besseren Akzeptanz von Videoarbeiten entscheidend beigetragen. Die Ausstellungsleitung erreichte das, indem sie für jede Arbeit eine eigene Projektionsform fand: Bei Kutlug Ataman bewegten sich die Besucher zwischen drei frei im Raum hängenden Projektionsflächen, auf die Filmbilder innen und außen projiziert wurden. Bei Eija-Liisa Ahtila blickte man auf eine Panorama aus drei riesigen Projektionswänden. Und die Arbeit von William Kentridge durfte man sich wie im Kino anschauen.

Die documenta 11 erfuhr im Gegensatz zu ihrer Vorgänger-Ausstellung eine breite Akzeptanz, obwohl der Anteil der dokumentarischen Arbeiten gar nicht viel kleiner war. Der Vorzug der Ausstellung war, dass sie mit den Mitteln der Kunst argumentieren konnte und dabei alle Formen der Kunst sinnlich erfahrbar machen konnte.

 

Der Journalist, Kunstkritiker und renommierte documenta-Kenner Dirk Schwarze hat diesen Text 2014 dem documenta Archiv zur Verfügung gestellt. Vervielfältigungen und kommerzieller Gebrauch sind, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors erlaubt.