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documenta
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8

documenta 8

12. Juni bis 20. September 1987
Museum Fridericianum, Orangerie, Karlsaue, Kasseler Innenstadt, Kulturfabrik Salzmann, Renthof, Diskothek New York, Karlskirche

© documenta archiv

Ausstellungsplakat documenta 8

© documenta archiv / Dieter Schwerdtle

Dieter Schwerdtle: Manfred Schneckenburger, künstlerischer Leiter der documenta 8, Inv.Nr.: docA_MS_d08-10043850

Träger 
documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs- GmbH

Geschäftsführer 
Klaus Angermann, Frank Petri (Prokurist)

Künstlerischer Leiter
Manfred Schneckenburger

Künstlerischer Beirat 
Vittorio Fagon, Edward F. Fry, Wulf Herzogenrath, Lothar Romain, Armin Zweite

Assistenten der künstlerischen Leitung 
Jürgen Schweinebraden Freiherr von Wichmann-Eichhorn, Wenzel Jacob

Arbeitsgruppen 
Heinrich Klotz, Vladimir Lalo Nicolic (Ideales Museum); Michael Erlhoff (Design); Elisabeth Jappe (Performance); Wolfgang Preikschat (Videothek), Klaus Schöning (Audiothek)

Grafisches Erscheinungsbild 
Karl-Oskar Blase 
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Ausstellungsarchitektur 
Vladimir Lalo Nikolic

Pressesprecherin 
Monika Junker-John

Führungsdienst 
Michael Grauer

LA FETE Permanente - Der documenta 8-Performance-club
Jürgen O. Olbrich

Technischer Leiter
Frank Barth

Sekretariat 
Katrin Brauer, Angela Fitsch, Marie-Luise Moj, Susanne Müller, Hiltraut Tausch, Justine Uffelmann, Sigrid Zintl

Exponate
520

Künstler
317

Besucher
486.811

Eintrittspreise
1 Tag: 10 DM, ermäßigt 5 DM
2 Tage: 15 DM, ermäßigt 8 DM
3 Tage: 10 DM
Abend: 5 DM
Dauerkarte; 80 DM, ermäßigt 40 DM
Gruppe: 8 DM/Person, ermäßigt 4 DM/Person
Führung: 6 DM/Person, ermäßigt 4 DM/Person

Budget
8.960.963 DM 

Kataloge
Bd. 1: Aufsätze
Bd. 2: Katalog
Bd. 3: Künstlerbuch 
Günther Menke: Führer durch die Ausstellung
documenta press. 7 Ausgaben.
Weber & Weidemeyer GmbH & Co KG Kassel
3 Katalog-Bd.: 90,- DM

Katalogredaktion
Monika Goedl, Ursula Frohne, Wanda Lemanczyk

Kunst im Zeichen der Postmoderne - Ein Text von Dirk Schwarze über die documenta 8

Zum zweiten Mal musste Manfred Schneckenburger die documenta retten.

Es gehört zu den kuriosen Widersprüchen der documenta-Geschichte, dass der Kurator, der in der Kunstszene keinen besonderen Rückhalt hatte, ein zweites Mal einspringen musste, um die documenta zu retten: Manfred Schneckenburger hatte sich nach der documenta 6 viele Unfreundlichkeiten anhören müssen, obwohl seine Ausstellung eine Reihe bemerkenswerter Abteilungen barg. Beigetragen zu dem schlechten Image hatten das organisatorische Chaos rund um die Eröffnung im Jahre 1977 sowie die heftige Kritik an der Malerei.

Den documenta-Leiter des Jahres 1987 hatte man mit Hilfe einer 30-köpfigen Findungskommission berufen wollen. Doch diese Kommission litt darunter, dass in ihr rund zehn Ausstellungsleiter saßen, die meinten, sie selbst könnten die nächste documenta auf die Beine stellen. So wunderte es nicht, dass man sich auf einen Kompromisskandidaten einigte, der für Qualität stand, aber als ein grundsolider Konservativer galt: Der Amsterdamer Direktor des Stedelijk Musems, Edy de Wilde, der kurz vor der Pensionierung stand, sollte es richten. Welch ungutes Gefühl Findungskommission und Aufsichtsrat bei dieser Entscheidung hatten, ist daran abzulesen, dass de Wilde im Juni 1983 verpflichtet wurde, aus seinen Mitbewerbern ein Leitungsteam zu bilden. Als sich de Wilde für Harald Szeemann entschied, schien alles auf einem guten Weg zu sein. Doch schon Ende 1984 gab das Führungsduo auf. 

Wieder einmal stand der Aufsichtsrat vor einem Scherbenhaufen. Und wieder einmal entschied sich ein rasch gebildetes Auswahlgremium für Manfred Schneckenburger als Nothelfer.   Die documenta 8 bot ein schillerndes Panorama, in dem viel Widersprüchliches Platz hatte. Die Ausstellung setzte einige Zeichen. Sie wurde zu dem wohl wichtigsten Forum für die Performance. Ebenso wegweisend war sie bei der Fortentwicklung der Video-Installationen sowie im Grenzbereich von Skulptur, Architektur und Design. Da spürte man den Geist der Postmoderne, die sich im Formenvorrat der Kunstgeschichte bediente und mit den Elementen spielte. Dabei gelang Schneckenburger partiell das, was Arnold Bode immer angestrebt hatte – die Kunst mit der Architektur in einer Ausstellung zu verbinden. Die Architektur-Skulpturen von Thomas Schütte und Heinrich Brummack standen ebenso dafür wie die Modelle zum idealen Museum, um die Schneckenburger Architekten gebeten hatte.

Die documenta 8 vereinigte eine große Zahl herausragender Arbeiten. Da hatte Gerhard Richter einen eigenen Raum erhalten, in dem er die gegensätzlichen und doch miteinander verwobenen Positionen seiner Malerei vorführen konnte. Stark waren auch die Auftritte von Anselm Kiefer und Gerhard Merz. Ihren eigenwilligen Charakter verdankte die Ausstellung den politisch-kritischen Arbeiten. Wenn man davon ausgeht, dass der Eingangsbereich im Museum Fridericianum spätestens seit der documenta 7 ein programmatisches Bekenntnis der Ausstellungsleitung birgt, dann wurde der Beitrag von Hans Haacke zum heimlichen Motto der documenta 8: Der in New York lebende Haacke hatte im Erdgeschoss der Rotunde einen Raum geschaffen, der wie die Eingangshalle einer Konzernzentrale wirkte. Dezente Tafeln waren aufgestellt und kleine Bäumchen. In der Mitte leuchtete eine Skulptur, die aus den Werbezeichen von Deutscher Bank und Mercedes aufgebaut war. Was da so repräsentativ und vornehm zu betrachten war, enthielt eine scharfe Anklage. Denn beide Unternehmen hatten sich dem Boykottaufruf gegen das Apartheid-Regime der Rassentrennung in Südafrika widersetzt. Das Großfoto von der Beisetzung eines Apartheid-Opfers, das in dem Logo der Deutschen Bank zu sehen war, stellte die Verbindung her.

 

Der Journalist, Kunstkritiker und renommierte documenta-Kenner Dirk Schwarze hat diesen Text 2014 dem documenta Archiv zur Verfügung gestellt. Vervielfältigungen und kommerzieller Gebrauch sind, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors erlaubt.