Eine leere, weiß-blaue Dose Fongi-Pilz im documenta archiv. Die Aufschrift unter dem altertümlichen Damenschuh verrät, dass sie ursprünglich mit Edel-Export-Bier aus der Kunst-Brauerei in Margarethenried / Holledau gefüllt war. Diese Bierdose sollte Teil der von Harald Szeemann (1933-2005) verantworteten documenta 5 werden. Der Grundriss im Werkverzeichnis zur Ausstellung nennt für den rückseitigen Teil des Fridericianums die „Kontakteria mit Keller und Garten“ des vielseitigen Künstlers Ypsilon Fongi (1936-2012) (S. 35). Auch im Katalog findet „Fongi, Y.“ Erwähnung, allerdings nicht regulär im Künstler-Alphabet, sondern unter der Rubrik „Bei Verwirklichung der Projekte werden folgende Seiten aufgelegt“ (S.13).

Doch offenbar kam es nicht zur Verwirklichung. Was war geschehen? In der Mappe 55a im Aktenarchiv findet sich der entsprechende Schriftwechsel. Am 22.8.1970 hatte Y. Fongi der documenta geschrieben, um sein Werk vorzustellen. Beigefügt war – neben Manifest-artigen Texten – auch eine Speisenkarte, die „Gutbürgerliche Küche“ versprach. Doch bot sie Merkwürdigkeiten wie „Fongi-Geldbörse, frisch gebacken“, „Einlegesohle mit Käse“ oder „Hot Fongi“. Auch das „Fongi-Pilz“ findet sich wieder. Der Künstler konnte Szeemann mit seinem unkonventionellen Café-Konzept überzeugen, der ihn am 11.5.1972 wissen ließ, dass er „gerne bereit [sei], „weiterhin daran zu glauben, daß Ihre Kontakteria ein echter Beitrag zur d5 sein wird.“

Fongi wollte einen Diskussionsort einrichten, an dem neben dem ungewöhnlichen, kulinarischen Angebot auf Verlangen auch eine entgeltliche Bewusstseinserweiterung quittiert wurde. Der Kunstkritiker Georg Jappe (1936-2007) schrieb dazu: „Die 1. Kontakteria Fongis war der Versuch, das totale Kunstwerk zu finden. [… sie] ist zuallererst ein Konzept: ein Entwurf für die totale Kombination möglichst vieler menschlicher Bedürfnisse, […] ein permanentes Happening, aber keine nebulöse Aktion. […] Bei Fongi finden wir eine der radikalsten Ausweitungen des Kunstbegriffs – und eine der sinnvollsten.“

Doch das neuartige „Werk“ wurde nicht in die Ausstellung integriert. Nur ein Presseartikel aus der HNA vom 9.12.1972 gibt in einem Nebensatz Auskunft, dass „sich die ursprüngliche Absicht, den Künstler-Gastronomen Fongi zu gewinnen, zerschlagen hatte.“ Dennoch hat sich eine seiner Dosen im documenta archiv erhalten – ein Beispiel für zahlreiche Arbeiten, die es nur beinahe schafften, in eine der documenta Ausstellungen aufgenommen zu werden.

Birgit Jooss