Belebte Straßen, Internationalität. Alle Jahre wieder ist Kassel voll von den Spuren regionaler, nationaler, aber auch internationaler Gäste, die die documenta besuchen. Neben Selfies vor Olu Oguibes (geb. 1964) „Obelisk“ oder der „Spitzhacke“ von Claes Oldenburg (geb. 1929) an der Fulda oder einer Teilnahme an Performances und Führungen, wird mit Sicherheit dabei auch die eine oder andere Postkarte geschrieben worden sein. Denn Sommerzeit ist Reisezeit. Und wie können Erlebnisse neben dem heutigen Selfie am besten festgehalten werden? Mit einer Postkarte, die an Freunde oder Verwandte verschickt wird, um sie an den erlebten Momenten teilhaben zu lassen.

 

Postkarten bewahren Erinnerungen, sowohl durch die abgebildeten Ansichten, als auch durch das schriftlich Festgehaltene. Bei der hier abgebildeten Postkarte der documenta 10 kann der/die Betrachter/in jedoch auf den ersten Blick nicht von einer Ausstellungs- oder Landschaftsansicht sprechen. Weiße und rote Lettern zieren die tiefschwarze, im Querformat angelegte Karte. In der Mitte angeordnet befindet sich ein rotes „x“, welches direkt Parallelen zum Signet der zehnten Ausgabe der documenta aufweist, da dieses ebenfalls ein rotes „x“ ziert, welches wiederum ein schwarzes „d“ durchstreicht. Ebenfalls sind Ähnlichkeiten bei der Farbigkeit zu erkennen. Humorvoll werden hingegen die weißen Buchstaben auf der Karte inszeniert: „d by night“ – documenta bei Nacht. Eine nächtliche Darstellung von documenta Kunstwerken, wie hier durch die weißen Lettern versprochen, sucht man allerdings vergebens. Lediglich die schwarze Farbe des Hintergrundes lässt auf minimalistische Art Assoziationen zur Nacht aufkommen.

 

Auch die weiteren Karten der Postkarten-Serie der Grafikdesigner/innen +CHRISTOWZIK SCHEUCH DESIGN aus Kassel greifen die Gestaltung des Ausstellungsplakats und des Signets auf, sodass eine Verknüpfung entsteht. Spielerisch wird das Logo der Ausstellung in ein Tac-Tac-Toe Spiel oder ein Alphabet verwandelt, aber es werden auch Bezüge zu vorangegangenen documenta Ausstellungen geschaffen, wie in „x walking to the sky“, bei der eine Assoziation zu Jonathan Borofskys (geb. 1942) Skulptur „Himmelsstürmer“ vorgenommen wird. Das Grunddesign und die Farbigkeit bleiben jedoch bei jeder Karte einheitlich.

 

Die Postkarten-Serie und weitere Erinnerungen an die documenta 10 sind durch eine Schenkung in den Bestand des documenta archivs überführt worden.

 

Alexandra Winterhoff