Die ersten Ausstellungskataloge des Städtische Museum Mönchengladbach unter der Leitung von Johannes Cladders (1924-2009) zeigten, dass ein Katalog dem Besucher die Möglichkeit geben kann, ein Stück der Kunsterfahrung mitzunehmen. So auch bei der Ausstellung Panamarenkos (geb. 1940) im Jahr 1969. Auf 330 Exemplare limitiert wird das Buchobjekt heutzutage als Rarität gehandelt, während es damals für 5 Mark zu haben war. 

 

Der Katalog erschien in Form einer braunen Schachtel, auf deren Cover sich die Fotografie eines Mannes neben einem Flugzeug zeigt. Wenn man nun, neugierig geworden, den Deckel öffnet, kommt eine braune Kordel zum Vorschein, die mit dem einen Ende am Deckel und mit dem anderen Ende am Boden des Kartons befestigt ist. Auf der Rückseite stechen die Worte „PANAMARENKO“ und „DAS FLUGZEUG“ ins Auge.

 

Die Schnur hat die Länge der größten Spanne des ausgestellten Flugobjekts, 15m. So schafft dieses Katalogobjekt eine haptische Erfahrung und, zusammen mit der Erfahrung der Ausstellung, weckt es die Sehnsucht nach dem Fliegen.

 

Aluminiumrohre, Drahtseile, Keilriemen, Fahrradsattel und -lenker, je 2 Fahrradpedale und -felgen, 6 mit Leinwand bespannte Styroporflügel ergeben 30 kg und den Traum einer Flugmaschine, welche Technik und Kunst gleichermaßen in sich vereint, und so eine sonst sehr präsente Trennung von Wissenschaft und Kunst deutlich macht. Anders als das technisch entwickelte und funktionstüchtige Flugzeug auf dem Cover gibt sich Panamrenko in seinem Flugobjekt der Vorstellung hin, fliegen zu können, und erschafft so ein neuartiges, surreales Objekt, welches - physikalische Grundlagen nicht gänzlich ignorierend ­- eine Interpretation einer alternativen Zeit zeigt. Darin begründet sich auch Panamarenkos Surrealismus. In seiner Art zu forschen, die an Leonardo da Vinci (1452-1519) erinnert, schafft der spekulative Einsatz von technischen Möglichkeiten eine metaphysische Tiefe. 

 

Auch auf der documenta 5 stellte Panamarenko ein Flugobjekt aus. Das gezeigte Flugobjekt „the Aeromodeller“ erinnert an einen transparenten Zeppelin. Die Kabine des Zeppelins mutet wie ein verlassener Wohnwagen an. Auch hier vermag das Objekt wieder Vorstellungen zu erzeugen, wie die Wirklichkeit aussehen könnte, in der man den „Aeromodeller“ am Himmel sehe. 

 

Malene Saalmann