Zur Ausstellung des niederländischen Künstlers Henk Visch (geb. 1950) in der Kunsthalle Hannover 1990 erschien nicht nur ein Ausstellungskatalog, sondern zusätzlich ein kleines rotes hölzernes Haus. 1990 sagt es an der vorderen Giebelwand, eine Jahresangabe, die oft auf ein Erbauungsjahr des Hauses schließen lässt, in dem Fall aber das Ausstellungsjahr repräsentiert. Darunter erscheint der Name der Institution, „Kunstverein Hannover“. Ein rundes Fenster ist im oberen mittleren Teil eingelassen, unter dem der Name des Künstlers „Henk Visch“ über einer aufgemalten Doppeltür, flankiert mit liegenden Löwen auf jeder Seite erscheint. Auf der Rückseite befindet sich auf gleicher Höhe wie auf der Vorderseite, ein zweites rundes Fenster. Späht man durch das vordere Fenster, bleibt der Einblick verschwommen. Schaut man aber durch das hintere Fenster, eröffnet sich der Blick in die Galerien des Hauses und die Installation der Kunstwerke des Künstlers. Über ein kleines Rädchen am unteren Teil des Objekts wird der neugierige Betrachter auf eine Tour durch die Räume mitgenommen, in einer endlosen Schleife, bei der es keinen Anfang und kein Ende gibt.

 

Aufschluss zum Objekt bietet der parallel erschienene Ausstellungskatalog, in dem die erste Abbildung das Gebäude des Kunstvereins Hannover darstellt. Es ist ein Haus aus rotgelben Ziegelmauerwerk mit rundbogigen Blendarkaden und Sandsteingliederung. Der gläserne Haupteingang mit seinen Doppeltüren ist über eine zehnstufige Treppe erreichbar, die ebenso flankiert ist von zwei liegenden Löwen aus Stein.

 

In der Ausstellung 1990 ordnete Visch die 18 gezeigten Skulpturen bestehend aus 28 Teilen, in Form einer langen, scheinbar endlosen Reihe an. Der Anfang konnte auch das Ende sein. „Ohne erkennbare Hierarchie unter den Skulpturen und ohne eine spezielle Dramatisierung der Objekt-Raum-Beziehung entsteht eine gleichmäßig fließende Bewegung der Skulpturen, in die der Betrachter miteinbezogen wird“ schrieb Eckhard Schneider (geb. 1943) in seinem Begleittext zur Ausstellung im Katalog. Ähnlich verhält es sich mit den Installationsansichten im hölzernen Objekt. Dem Neugierigen ist es überlassen, in welcher Richtung er das Rädchen dreht. Wer gerne selber einmal durch das hintere Fenster hinein spionieren will und die Arbeiten des Künstlers, der auch an der documenta 9 beteiligt war, im Raum installiert sehen möchte, ist herzlich eingeladen, das bei uns im Lesesaal zu tun.

 

Emily Denyer / Anja Ziegler