Arnold Bode liebte es, seine Gedanken in graphischen Modellen darzustellen. Er versuchte dadurch, seine sprühende, nicht enden wollende Ideenflut in anschauliche Konzepte zu fassen. Diese wiesen Beziehungen aus, farbig markiert, mit vielen Verbindungslinien, Pfeilen, Nummern und bisweilen bunten Punkten versehen. In seiner schwungvollen, schwer lesbaren Schrift notierte er Positionen, die das Gefüge zu einem überzeugenden Konstrukt machen sollten. Personen, Aufgaben, organisatorische Einheiten sowie ihre Aufgabenverteilung werden zueinander in Beziehung gesetzt.

 

In den Akten zur dritten documenta hat sich ein undatiertes Organigramm erhalten, das Bodes Ideen von 1964 vorstellt und das recht komplizierte Geflecht der documenta offenbart. Durch umrahmte Kästchen sowie drei farbige Buntstifte – Rot, Gelb und Grün – versuchte er Struktur zu schaffen. Es fällt auf, wie zentral Bode seine eigene Person sah – neben dem Kunsthistoriker Werner Haftmann und dem Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen, die zu dritt die „Gesamtleitung Präsidium“ übernahmen.

 

Rot unterlegt ist die Zentrale der Organisation, die „Ausstellungsleitung Bode“ mit der Hängekommission. Rechts darunter das von Bode geleitete Sekretariat, das durch Größe, Rahmung, ein kräftigeres Rot und das Unterstreichen des Wortes erstaunlicherweise noch stärker hervorgehoben ist. Der Begriff „unabhängig“ ist daruntergesetzt.

 

Die rechte Seite des Blattes ist durch die Farbe Grün dominiert und zeigt die politisch-verwalterischen Gremien: die „Gesellschaft documenta“ mit dem Land Hessen, der Stadt Kassel und einer Beigruppe, den „Aufsichtsrat“ unter dem Vorsitz von Lauritzen, die „Geschäftsführung Verwaltung“ und die „Arbeitssitzung“. In einem Kasten oberhalb der Ausstellungsleitung durch ein energisch umrahmtes, leuchtendes Gelb und die zentrale Position deutlich hervorgehoben ist der von Bode geleitete „documenta Rat“.

 

Auf der linken Seite, mehrfarbig schraffiert, finden sich das von Haftmann geleitete „Kuratorium der d III“, das „Archiv“ und die fünf „Arbeitsausschüsse“. Interessanterweise ist für die Archivleitung Erich Herzog, seit 1962 Leiter der Staatlichen Kunstsammlungen, vorgesehen, nicht Haftmann, den Bode eigentlich auf diesem Posten installieren wollte. Dass Bode an alle Facetten der Organisation dachte, machen die Worte „Feier“, Werbungsausschuss“, „Verlag“, „Presse“ und „Zeitschriftenanzeigen“ unten links deutlich, die mit einem Pfeil mit dem Sekretariat verbunden sind.

 

Birgit Jooss