Im August 2017 bereicherte eine Schenkung von sieben Zeichnungen aus den Jahren 1956 bis 1968 den Nachlass von Arnold Bode im documenta archiv. Sie stammten ursprünglich aus dem von der Witwe verwahrten Teil des Nachlasses von Arnold Bode und befanden sich danach lange in Privatbesitz.

 

Die hier vorgestellte Skizze zeigt zwei stark abstrahierte Figuren des Löwenbrunnens der Alhambra in Granada. Der Bildvordergrund wird von einem sitzenden Löwen eingenommen, dessen Körper mit wenigen Strichen umrissen ist. Zwei Reihen leicht geschwungener Linien stilisieren eine füllige Mähne. Aus dem Maul quillt Wasser. Der zweite Wasserspeier ist deutlich kleiner als liegender Löwe im Bildhintergrund ausgeführt. Eine Diagonale durchzieht das Bild von links unten nach rechts oben und repräsentiert das Becken, welches die beiden Skulpturen miteinander verbindet. Eine horizontale Linie an der Bildoberkante lässt weitere Arme des Wasserlaufs im Löwenhof erahnen.

 

Zeit seines Lebens hielt Arnold Bode seine Ideen und Eindrücke in Zeichnungen und Skizzen fest. Zeitgenossen, wie Lothar Orzechowski, beschrieben ihn als unermüdlichen Zeichner, dessen „Ideen und Visionen in Skizzen eskalierten.“ Selbst die Servietten im Café Däche oder den Rechnungsblock der Stammkneipe nutzte er für diese Zwecke. Allerdings zeigte er auch seinen Freunden nur wenige seiner kraftvollen Blätter. Auf Ausstellungen präsentierte er vor allem seine Gemälde und Druckgrafiken. Insbesondere in den späten Jahren seines Lebens war die Zeichnung Bodes favorisiertes Ausdrucksmittel. Zwischen 1963 und 1976 sind nur vier Gemälde belegt.

 

Die Zeichnung entstand wahrscheinlich auf einer der zahlreichen Reisen Arnold Bodes. Bereits im Jahr nach seiner Staatsprüfung zum Zeichenlehrer, mit der er sein Studium der Malerei und Grafik an der Kunstakademie Kassel abschloss, besuchte er die Berliner Museen und hielt sich zu Studienzwecken in Paris und Bandol in Südfrankreich auf. Später reiste er unter anderem durch Italien, Japan, Israel, Griechenland und Amerika, um zu Malen und Zeichnen. Durch den Besuch von Ausstellungen und Museen machte er sich mit den zeitgenössischen Kunstströmungen und den Alten Meistern vertraut und knüpfte wichtige internationale Kontakte.

 

Saskia Mattern