Die Mediensammlung des documenta archivs hat zusammen mit Studierenden der Kunsthochschule, eine umfassende Dokumentation der documenta 14 in Kassel realisieren können. Ein solches Dokumentationsprojekt ist aus gutem Grund sorgfältig geplant und um möglichst hohe Objektivität, notwendige Distanz und formale Strenge bemüht. Manchmal passiert aber - sei es wegen einer kleinen Abweichung oder einfach nur aus Glück - Außergewöhnliches, etwa wenn die Dokumentation auf ganz unverhoffte und ungeplante Weise am Werk partizipiert:

Unser Team filmte am 23. Juni 2017 die öffentliche Aktion "The Trojan Horse. Burning the Canon" des Medienkünstlers Daniel García Andújar (geb. 1966). In Anlehnung an die Tradition des valencianischen Fallas Festivals, bei dem Puppen rituell verbrannt werden, um loszulassen, was nicht mehr gebraucht wird, und behalten, was beibehalten werden soll, endete die Aktion mit der Verbrennung von Andújars Skulptur „Das Trojanische Pferd“. Der Verbrennung der Skulptur ging eine Art Festzug von der Neuen Hauptpost zum Nordstadtpark voraus, bei welcher unser Filmer Michel Esselbrügge die spontane Idee hatte, eine unserer Kameras an der mitgeführten Skulptur zu befestigen. Und so schlich die filmende 360°-Kamera an der Skulptur, im Nordstadtpark angelangt, an den Sicherheitsabsperrungen vorbei zum Ort, an dem die Verbrennung stattfinden sollte. Als Zuschauer begleitet man nun die Skulptur aus ihrer Perspektive. Diese letzten Minuten, in denen sich die Skulptur fast gespenstisch wirkend immer weiter vom Getöse der Menschenmenge entfernt, wirken seltsamerweise traurig und beklemmend und doch befreiend zugleich. (Der Kamera ist übrigens nichts passiert - sie wurde rechtzeitig wieder entfernt.)

Von dieser rund vier Stunden dauernden Aktion wurden rund 10 Stunden Videomaterial gedreht, welches in der Mediensammlung zur Verfügung steht.

 

Alexander Zeisberg